Über so genannte Einzelfälle - Aktuelles

Wir fragen: Sind Dunkelhäutige a priori für die Polizei verdächtiger und werden häufiger kontrolliert als Weiße? Werden farbige Menschen herablassender behandelt, weil kolonialistisches Erbe und Herrenmenschentum immer noch ihre Wirkung tun? Sind eigentlich die Geflüchteten in den Gemeinschaftsunterkünften in Hennigsdorf Menschen zweiter Klasse, weil sie in Corona-Quarantäne eng beieinander leben müssen? Das Streichen des Wortes Rasse aus dem Grundgesetz wäre wichtig. Aber wird es dagegen helfen? Kommt es nicht eher darauf an, eine größere Öffentlichkeit für das Problem zu schaffen, für mehr Menschenrechts-Bildung, mehr historisches Wissen, mehr Empathie zu sorgen und einiges selbstkritisch auf den Prüfstand zu stellen? Es geht hier zweifellos um ein gesamtgesellschaftliches Problem, es geht neben Angriffen um institutionellen und strukturellen Rassismus, der dringende Aufmerksamkeit von allen Seiten erfordert, und es geht um offene Worte.

Ja, wir brauchen eine gut ausgebildete, sensible Polizei, in der es für „racial profiling“ keinen Platz mehr gibt. Wir brauchen Behörden mit Verständnis für eine Einwanderungsgesellschaft, ausgestattet mit interkulturellen Kompetenzen. Wir brauchen Politiker, Vereine, Initiativen, Schulen und kommunale Vertretungen, die die Bewältigung dieser großen menschlichen Herausforderung auch als ihre eigene Angelegenheit betrachten. Gegen Rassismus aufzutreten ist schließlich verbunden mit der Würde, der Kultur, der Demokratie und dem Frieden für jeden und jede in unserer Gesellschaft. Suchen wir geneinsam nach Wegen und Konzepten, wie diese Geißel Rassismus aus den Herzen und Köpfen verbannt werden kann, suchen wir nach Wegen zu einem fairen Deutschland und warten wir nicht auf den Impfstoff.

Dass sich angesichts der pandemischen Zeiten nicht nur die Hygiene-Demonstranten und Verschwörungsanhänger versammeln, sondern sich so viele Menschen finden, die sich nicht daran gewöhnen können, dass Fremdenfeindlichkeit und Rassismus zu einem noch hässlicheren Problem in unserer Gesellschaft werden, macht Hoffnung. Sie hilft uns auch gegen den Frust anzukämpfen, dass wir 2020 offenbar immer noch nicht weiter gekommen sind, als wir am 4. Oktober 2000 waren, als der Aufstand der Anständigen von Kanzler Schröder ausgerufen wurde. Denn was war los mit Sicherheitsbehörden, die rechtsextreme Morde wie im Fall des NSU übersahen und warum wurden wichtige Beweise vernichtet? Wie ist es möglich, dass in Frankfurter Polizeikreisen ein „NSU 2.0“ entstand, der Angstnachrichten verbreitete? Was ist los mit Justiz und Polizei, die die Aufklärung des Todes von Oury Jalloh, der im Dessauer Polizeigewahrsam verbrannte, 15 Jahre lang verhindern konnten?

Wir bitten um Zeichnung der Petition des Kreisjugendrings Oberhavel „Stell Dir vor die Welt ist digital –und Du kommst nicht rein!“, da wir die Besorgnis teilen,  dass Kinder und Jugendliche in Gemeinschaftsunterkünften oftmals keinen Zugang zum Internet haben und damit von ihrem Recht auf Bildung – auch in der Corona Krise - systematisch abgeschnitten sind.

http://chng.it/RLKHDps88p  

P.S.: Interessenten sind herzlich in unserer AG Brot und Salz des Kulturkreises Hohen Neuendorf willkommen. Mail: brotundsalz@kulturkreis-hn.de
16.06.2020

 

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